Verschwenderische Grosszügigkeit

Wenn am Sonntagmorgen die Sigristin die Kirchentür aufschliesst, die Pfarrperson viele Worte bereit gelegt hat, und dem Organisten die Töne nur so durch die Finger gleiten. Wenn die Kerzen flackern, die Bänke knarren und flüstern: alles ist bereit.

Wenn das Sonntagsgeschirr hervorgeholt wird, die Züpfe mit einer dicken Schicht Quittengelee veredelt und das flüssige Eigelb auf den Teller tropft. Wenn die schönen Schuhe und der Mantel ihren sonntäglichen Einsatz herbeisehnen.

Wenn die Strassen fast leer sind, die Glocken laut schlagen, strecken sich die Tulpen, die Vergissmeinnicht, die Primelinvasion im Rasen, die Löwenzahnsonnen in dem aufgerissenen Asphalt, und ein paar flauschige Katzenohren der Wärme von Oben entgegen.

Wenn am Sonntagmorgen die Menschen über die Kirchentürschwelle treten, wurden neue Blumen gekauft, Kerzen bestellt, 8h Arbeitszeit der Pfarrerin verrechnet, Kirchenmusik 250.- /Gottesdienst, Sigristin 2h Arbeitszeit, und es wurde die zugige Kirche aufgeheizt.

Für 13 Menschen, und einer davon mit einem kleinen Klecks Quittengelee im Mundwinkel.

Das alles ist verschwenderische Grosszügigkeit.

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