Totenwache I

Drei Türen führen zu drei Zimmern. Naja, schon fast Holzboxen. Boden, Wände, Decke – alles ist aus hellem Holz. Freundlich. Aber doch komme ich mir fast vor, als wäre das schon ein überdimensionierter Sarg.

Heute sind 2 Türen offen. Die dritte hat ein handgeschriebenes, simples Schildchen. Mit Name und Jahrenszahlen. Den Nachnamen kenne ich. Es könnte der Grossvater sein, von einem meiner Klassenkameraden. Oder auch nicht. Denn dieser Nachname ist recht verbreitet in unserer Gegend.

Interessant, wie mein Kopf versucht, sofort irgendeine Verbindung zu diesem Menschen herzustellen, ob dort tatsächlich schon eine das ist, ober ob es einfach nur dieser eine Moment ist.

Ich trete ein.

Während kalte Luft mir entgegenschwappt zögere ich kurz. So klein, so still, so gelb sollte kein Mensch aussehen.

Ich sehe Blumenschmuck – liebevoll aber dezent. Das Pflaster am Zeigefinger, der grosse blaue Fleck an der anderen Hand.

Ich setze mich auf die vorderste Kante des Stuhles, der im Raum steht.

Ich friere.

Ich versuche Hallo zu sagen, und mich vorzustellen. Aber das fühlt sich noch schräger an, als einfach dazusitzen.

Ich friere weiter.

Das nächste Mal werde ich mich besser ausrüsten und anziehen, nehme ich mir vor.

Ich warte noch ein paar Momente, ob sich ein Zwiegespräch oder ein inspirierender Gedanke einstellen.

Nein?

Nein.

Also gehe ich wieder. So unspektakulär, und unbemerkt wie ich gekommen bin.

Das war der zweite Beitrag in der Serie; „Sitting with the dead“ hier findet ihr den ersten Beitrag und die Beschreibung des Projekt: Sitting with the Dead

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