Sitting with the Dead.

Intro

Schon seit Jahren komme ich fast jeden Tag direkt an einer Aufbahrungshalle vorbei. Der Gedanke daran, einfach mal hineinzugehen und mir einen toten Menschen anzuschauen, wurde immer von einem gewissen Grusel begleitet. Aber irgendwie hat mich der Gedanke nicht losgelassen, es doch einmal zu tun.

Als ich vor einigen Monaten endlich den richtigen Zeitpunkt gespürt habe – wagte ich mich hinein. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich also meine erste Tote mit 25 Jahren gesehen. Alle Beerdigungen, auf denen ich schon war, haben nur den Sarg oder die Urne gezeigt.

Wenn ich darüber nachdenke, ist das schon bezeichnend für unsere Gesellschaft, Tod und Sterben ist ja eigentlich ein ganz normaler Teil unseres Lebens. Aber obwohl dauernd Menschen sterben, und immer wieder kennen wir einen davon, redet man wenig darüber. Irgendwie haftet dem ganzen Thema noch ein Tabu an. Und es ist doch auch komisch, die toten Körper von Menschen so aus der Gesellschaft und auch dem Trauerprozess zu verbannen. Das habe ich aber erst angefangen zu begreifen, als ich auf Twitter @_Bestattung und @Sarggeschichten gefolgt bin.

Mit dem Thema Tod beschäftige ich mich sowieso regelmässig. Podcasts, Bücher usw. Mag vielleicht auch mit meinem Theologiestudium zu tun haben und dieser Neugier auf alle „grossen“ Fragen des Lebens: Nach Sinn und Unsinn des Lebens und Sterbens, nach Ursprung und Ziel. Gott und der Welt und allem dazwischen. Und der Frage: „Wohin verschwinden eigentlich alle linken Socken?“ Auf keine der Fragen habe ich bis jetzt eine definitive Antwort erhalten. Das ist aber auch nicht schlimm, denn Fragen stellen ist eigentlich interessanter als einfache Antworten zu erhalten. Oder etwa nicht?

Also zurück zum Thema. Ich wollte mich mit dem Thema Tod und seiner „Körperlichkeit“ beschäftigen und ohne grossen Aufwand kann ich das sozusagen „beim Vorübergehen“ tun. Ich kann einfach in die öffentlich zugängige Aufbahrungshalle gehen. Und ich wollte meine Gedanken, meine Fragen und Emotionen irgendwie schriftlich festhalten.

Ich habe mir 4 Regeln für dieses kleine Projekt gegeben:

  • Ich betrete diesen Raum immer mit Respekt.
  • Ich kleide mich schwarz. Ausser ein Kleidungsstück, das darf farbig, fröhlich und lebendig sein.
  • Ich setze mich zu den toten Menschen. Die meisten werden fremd sein. Ich schaue und spüre was passiert.
  • Ich schreibe jedes Mal einen kleinen Text, am Tisch vor den Aufbahrungsräumen.

3 Kommentare zu „Sitting with the Dead.

  1. Iz hätti scho o fasch Lust das machä…! Danje fürd Inspiration! Spannendi Reglä!
    Frag: Schwarz (as Chleiderfarb) drückt ja o scho Dunkelheit, Finsternis, Ungwüssheit us. Wiso esch das d Farb vom Tod im Christetum und ned Wiss, d Farb vom Liecht, Fride wo mr vlecht findet det wo mr hiigaht nachm Läbe? I gwüssnige afrikanische Länder esch glaub o wiis d Farb fr Beärdigungä….
    🙂

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