Dieses verdammte Säuseln

Er (Gott) aber sprach: Komm heraus und tritt auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR ging vorüber; und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach, ging vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde. Nach dem Winde aber kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam die Stimme eines sanften Säuselns.“
‭‭1. Könige‬ ‭19:11-12‬ ‭SchlachterBibel

Das ist ein heiliger Moment. Das denke ich, während ich auf dem roten Teppich sitze. Ganz abgewetzt und staubig ist er.

An den Wänden hängen Gitarren, die Bierflasche steht auf einem Notenstapel und das Mani Matter Liederbuch liegt auf der blauen Basedrum.

Die Gitarre im Schoss – das Handy mit den Noten auf dem Knie. Rechts und links die Geige, der Kontrabass, die Stimmen und das Klavier.

Ich bin umhüllt und erfüllt mit Tönen. Himmlisch schön ist es, und himmlisch schräg dazu. Geisthaft harmonisch und geisthaft chaotisch.

Wie oft habe ich in den letzten Monaten gezweifelt? Weil Gott einfach nicht zu finden war im Nachrichtengewitter. Und auch nicht im grossen Sturm, der meinen Alltag durchgefegt und lahmgelegt hat. Ebensowenig im Tränenregen.

Und brannte ihnen nicht das Herz? Nein. Eben nicht. Ich kann froh sein, wenn noch irgendwo ein bisschen Asche glimmt.

Oder vielleicht im Haus Gottes, vielleicht ist er dort? Bei Kreuz, Altar und Predigt? Aber das Kreuz hing leer an der Wand, und die Worte klangen noch leerer in meinem Herzen. Manchmal habe ich einen kleinen Blick erhascht, aber es war nie genug.

Dieses verdammte Säuseln.

Nach 20 Jahren, hatte ich langsam das Gefühl, ich wüsste wo es weht. Und dann entzieht es mir immer wieder die noch so zögerliche Gewissheit.

Barthianerin bin ich nicht, aber er hatte schon recht, der Karl. Als er schrieb, dass Gott nicht da ist, um meine Krisen einfach so zu lösen. Nein, Gott selbst ist meine Krise. Das, worüber ich immer wieder stoplere. Weil es sich nicht zähmen, einfangen, nicht begreifen lässt.

Weil Glauben oft das Unvernünftigste ist, was man tun kann. Darauf zu vertrauen, dass es gut ist. Dass es gut wird. Dass es doch alles einen Sinn hat.

Ich. Jetzt. Hier. Genau so.

Zurück zum roten Teppich im JamRaum. Dort in der Werkstatt des Zimmermanns. Ausgerechnet. Und darum ist es ja auch staubig. Und chaotisch, aber das verstimmte Klavier klingt, als wäre es direkt aus dem Himmel gefallen.

Und hier, umgeben von Fremden, die in der Musik zu Vertrauten geworden sind. Spüre ich es wieder, dieses verdammte Säuseln. Und ich kann es wieder glauben. Es hat einen Sinn.

Jetzt. Hier. Genau so.

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