Ein Lied für den Himmel

Die grossen Kirchenglocken von Unterseen läuten schon feierlich den Sonntag ein.
Es ist, als würden sie rufen:
Gong – Guten Morgen.
Gong – hört ihr auch die Vögel pfeifen?
Gong, guut, noch einmal im Bett umdrehen.
Gong – aber dann ist es Zeit aufzustehen!
Gong – Frühstück und Kaffe sind auch schon bereit!
Gong – Also die Kirchentüren sind jetzt auch offen für euch.
Gong, der Gottsdienst beginnt bald.
Gong, Gong, Gong.

 

Auch die Amsel Samira hat die Glocken gehört, kein Wunder.
Sie sitzt auf der Birke direkt neben der Kirche und isst gerade ihr Frühstück.
Da hört sie natürlich die Glocken besonders laut.
Die Spatzen auf den Dächern schimpfen und zwitschern die lauten Glocken an, als ob die sich
um ein paar kleine Spatzen und ihre Empörung kümmern würden.
Aber Samira mag den Klang, denn sie freut sich schon auf den Gottesdienst!
Dann fliegt sie rüber zum Friedhofsbrunnen und plantscht und spritzt, so dass sie schön sauber wird. Es ist ja immerhin Sonntag, und nach einem erfrischenden Bad glänzen auch ihre Schwarze Federn wieder so schön!
Während sie ihre Federn trocken schüttelt, trippelt sie aufgeregt vom einen Fuss zum anderen, so sehr freut sie sich auf den Gottesdienst.
Mit den noch leicht feuchten Federn fliegt sie schnell zu ihrem Kirchenast.
Es ist der Ast, wo sie am Besten durch die grossen Kirchenfenster den Gottesdienst sehen kann.
Die Menschen sitzen schon auf den braunen Kirchenbänken. Sie unterhalten sich leise mit ihren Banknachbaren, legen die farbigen Bändchen zwischen die dünnen Seiten ins Kirchgesangsbuch. So dass sie die Lieder dann schnell finden beim Signgen.
Und da hinten, schlüpft gerade noch jemand durch die Kirchentür und setzt sich keuchend in die hinterste Bank.
Die Glocken sind nach ihrem letzten Schlag verstummt und da holt Samira ganz tief Luft.
Die Organistin greift beherzt in die Tasten und gemeinsam schmettern sie ihr schönstes Lied. Die Orgel in der Kirche und die kleine Amsel draussen in der Birke.
Die Knopfaugen der Amsel Samira glänzen, während sie die die Melodien pfeift, die sie die ganze Woche geübt hat. Keine zwei Strophen ihres Liedes klingen gleich.
Die Menschen in der Kirche hören die Amsel Samira und ihr Lied nicht, dafür ist die Orgel dann doch zu laut. Aber das ist gar nicht so schlimm, denn sie singt ihr Lied direkt in in den Himmel hinauf.
Und ich bin sicher, dass Gott nicht nur die Orgel und die Kirchengesangsbuchlieder hört, und sich darüber freut, sondern auch das Lied der kleinen Amsel Samira.

 

Das ist die erste Geschichte von der Amsel Samira. 
Mit diesem Link kommt ihr zu dem Video, wo ich die Geschichte erzähle:
Wem diese Geschichte gefällt, kann gerne den Youtubekanal abonnieren, oder den Link zu den Geschichten weiterschicken 🙂
Zu dieser Geschichte gibt es auch ein Ausmalbild, dass ihr herunterladen könnt:

 

Eine Geschichte von Lea Zeiske. Mai 2020. 

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