Liebe – verpackt in Einkaufstüten.

Einkaufstaschen falten, einpacken, die Grossen.
Einkaufszettel mit fremder Schrift.
Der Mund-Nasenschutz noch mal kurz heiss bügeln.
Liebevoll genäht mit herzigem Katzenstoff.

Danke Mami.

Einkaufswagen. Früher reicht mir ein Korb.
Desinfektionsmittel, säkulares Weihwasser im Einkaufstempel.
Angekettet mit Kabelbindern. Auf meine trockenen Hände sprühen.
Maske auf.

Wäh, sie riecht nach Bügeleisen.

In der Gemüsesektion vom Migros ist es eng wie immer.
Einkaufswagenabstandshalter.
Bekannte grüssen kaum noch.
Mein Markenzeichen, dieses leicht schiefe
aber von Herzen gemeinte Lächeln,
einfach von der Makske geschluckt.

Ich übe, mit den Augen zu lächeln.

Schon wieder Pilze?
Pilze mag ich ja selbst gar nicht.
Champignons, Steinpilze, getrocknet oder in Dosen.
Aber die kleine Dose bitte.

Für 2 Senioren reicht das anscheindend.

Bio oder MClassic?
Wie viel kg. ist ein „Sack Härdöpfel“?
Und welche Sorte soll denn „Äpfel rot“ bitte sein?

Bei der Käseauswahl raucht mein Kopf schon.

Menschen ausweichen,
Mit den Augen lächeln,
Zu dem Kind,
das sich nach meinem Katzen-Mund-Nasen-Dings umdreht.
Die Nase juckt.
Nicht!
Nein.

Einfach nicht beachten.

Wo zum gugger ist denn jetzt der Weizengriess?
Lieferunterbruch = Osterfladenausfall.
Gibt es hier wirklich keinen laktosefreien Mozzarella?
Overload vor dem Joghurtregal.
Ich wusste ja gar nicht, wie viele Joghurtsorten es eigentlich gibt.
Oh, Erdbeerenaktion.

Man gönnt sich ja sonst nichts.

Nichts vergessen?
Oh, die Gewürzgurken noch.
Und Kleiderbügel.

Toilettenpapier hat es übrigens wieder überall.

Zwei Einkaufslisten, langsam werden die Worte zu Produkten im Wagen.
Wie können so ein paar Worte auf Papier
plötzlich so schwer werden?
Entscheidungen wiegen aber schwerer

als jede noch so volle  Einkaufstüte.

Die Kassen – Plexiglasgesichtert.
Angst vor dem Eindringling.
Es ist kein Terrorist mit Bombe.
Sondern ein unsichtbarer Winzling.
Der uns so auf der Spur geworfen hat.
Absperrband und rote Schilder.

Wie schnell man sich daran gewöhnt.

„Nähment dir d Chläberli ou?“
Ja, gerne.
Blumensamen in kleinen Sachets.
Vermeindlicher Tod und Stillstand
wird zur Voraussetzung zum neuen Leben.
Bei Blumensamen.

Bei uns ist aber gerade echt zu viel Tod und Stillstand.

Irgendwie sind die Menschen weniger hektisch.
Konzentrationsfalten oder doch Sorgenrunzeln?
Und beim Rausgehen wieder:
Weihwasser.
Maske ab.
Ein tiefer Atemzug.
Ich lebe.
Bin gesund.
Was für ein Privileg.

Stossgebet.

Die Sonne scheint warm.
Die Fahrradspeichen surren.
Die Strassen fast leer.
Keine Touristen mehr.
Das Dorf, das sonst wie ein Tor
zur grossen weiten Welt ist,
ist jetzt einfach nur noch ein Dorf.

Schade, eigentlich.

Liebe – verpackt in Einkaufstüten.
Abgestellt auf Treppenstufen.

 

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