Sonntagsgedanken: Wenn Frauen predigen.

Als ich den Entwürfe Ordner meines Blogs durchgeschaut habe, ist mir dieser Text wieder begegenet. Und obwohl besagter Sonntag schon etwa 2 Jahre her ist, finde ich ihn gerade jetzt wieder sehr passend. Denn für den 1.August wurde die ökumenische Aktion „Helvetia predigt“ ins Leben gerufen. Mit dem Ziel, auf so vielen Kanzeln wie möglich Frauen predigen zu hören. Damit haben die Frauenverbände von verschiedenen Kirchen meiner Meinung nach einen tolle Idee gehabt, 50 Jahre Frauenstimmrecht in der Schweiz zu würdigen.

Und dieser Text erzählt von einem Sonntag, wo etwas ähnliches passiert ist:

 

Ich habe schon viele Predigten gehört. Sehr viele. Und meistens waren es Männer, die ich da gehört habe. Das ist mir aber eigentlich erst aufgefallen, als ich mich, unter anderem durch mein Studium, mit Feminismus auseinander gesetzt habe. Und eben auch damit, dass es noch sehr viele Kirchen gibt, wo man keine Frauenstimmen im Gottesdienst hört.

Aber heute habe ich eine Frauenstimme von der Kanzel gehört, sanft und lyrisch. Sie erzählte eine Geschichte, wo sich Realität, persönliche Lebensgeschichte und Gottes Wort auf so wundervolle Weise verbunden haben, dass ich immer noch die Tränen in meinen Augen spüre.

Keine Pastorin, sondern eine gewöhlich-aussergewöhnliche Christin mit wuscheligen Locken und sanften braunen Augen, die sich nie selbst in den Mittelpunkt stellen würde. Aber ich bin sehr froh, dass sie ihre Geschichte trotzdem mit uns geteilt hat. Was für ein wunderschönen Geschenk von ihr, an uns.

 

Ich komme ursprünglich aus einer Gemeinde der Pfingstbewegung, in ihren Anfängen hat es keine Rolle gespielt, ob du eine Frau, ein Mann oder selbst ein Kind bist. Denn alle haben doch als Christen „Gaben des Geistes“ erhalten, und können dadurch ihre Be-gabungen für die Gemeinde und die Menschen einsetzen. Das war die ursprügliche Überzeugung, und eigentlich tief verankert in der pfingstlerischen DNA.

Aber dann, wie es schon oft passsiert ist, in einer Zeit und einer patriarchalen Kultur, wo Männer die Macht haben, wurde dieses pfingstliche Grundprinzip nicht beibehalten. Als sich die wachsenden Gruppen organisieren mussten, hat sich nicht die Gleichberechtigung durchgesetzt, sondern es kamen Zeiten, wo offiziell nur Männer predigen und leiten durften.

In meiner Gemeindebewegung sind aber seit 20 Jahren, also seit ich mich erinnern kann, Frauen als Pastorinnen und Gemeindeleiterinnen gleichberechtigt. Und darüber bin ich sehr froh! Mir wurde nie gesagt, dass ich als Frau weniger wert wäre. Ich hatte auch immer wieder Leiterinnen als Vorbild. Aber trotzdem bin ich sehr geprägt von dem Predigtstil „meiner“ beider Pastoren. Was natürlich auch ganz logisch ist, von ihnen beiden habe ich schon viele (gute) Predigten gehört. Sonntag für Sonntag. Das prägt einfach. Manchmal beobachte ich mich dabei, dass ich mir die tiefe volle Stimme des einen wünsche, oder den kreativen Humor des anderen.

Und weil ich sie beide schon eine weile kenne, weiss ich, dass auch sie vor dem Predigen manchmal innerlich zittern. Dass sie ihre Plattform und damit auch ihre Macht, dazu nutzen, anderen Stimmen Gehör zu verschaffen. Aussergewöhnlich-gewöhnlichen Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern. Dass sie oft viel mehr Potential in mir sahen, als ich in mir selbst. Sie haben mit mir zusammen meine ersten Predigten vorbereitet und gehalten. Mit jemandem, dem du vertraust das erste mal „auf der Kanzel“ zu stehen, dafür bin ich bis heute dankbar! ( Also in echt waren es ja Bühnen mit Notenständern als Predigtpult.) But you get the piont 😉

Dankbar bin ich auch, dass sie heute einer leisen, sanften, aber festen Stimme Raum gegeben haben. Ja man könnte auch das Wort sanftmütig dafür verwenden! Ich konnte bisher noch nicht so viel mit der Seligpreisung anfangen, wo es heisst: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdenreich besitzen.“ (Matt. 5.5) 

Heute wurde ich durch diese sanftmütige Stimme erinnert, dass Gottes Geist gerade in den leisen Tönen zu unserem Herz flüstert, wenn unsere Ohren für die lauten Stimmen schon lange taub geworden sind.

Wo mutig sanfte Stimmen klingen, dort kann jeder Ort heilig werden. Wo sich die Gottes Geschichte mit unserer verbindet, entsteht Gottes Wort, Zeugnis. Eine Autorität die kein Mensch machen oder verdienen kann. Die keine Kirche und kein Staat kontrollieren kann. Sie bleibt ein wertvolles Geschenk.

 

https://www.frauenbund.ch/was-wir-bewegen/kirche-und-spiritualitaet/helvetia-predigt/

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