Kann mir bitte mal jemand Ostern erklären?

Dieser sehr persönliche und ehrliche Blogbeitrag kommt mal nicht von mir, sondern von einer Kollegin (im Unislang würde man dazu Kommilitonin sagen) Evelyne Baumberger studiert in Zürich Theologie (4. Semester) und lustigerweise haben wir uns online auf Twitter kennengelernt und erst vor einigen Wochen haben wir uns zum ersten Mal so richtig live und real gesehen! Und dank diesem Treffen, findet ihr jetzt auch diesem wunderbaren Text hier bei mir! 

Ihr findet Evelyne auf Twitter unter @evelyne_lynn und ich bin sicher, sie freut sich auch über Kommentare hier auf dem Blog und Reaktionen auf Social Media! 

Dieser Text passt für mich wunderbar zum Karsamstagabend, genau in die Mitte zwischen Karfreitag und Ostern. Mitten hinein in die Zeit, wo man sich nicht sicher ist, ob das Licht wirklich kommt, ob das Leben wirklich das letzte Wort hat….

 

Kann mir bitte mal jemand Ostern erklären?

Karfreitag und Ostern sind für mich immer recht unbequeme Tage. Ich komme ihrer Bedeutung einfach nicht auf die Spur. Ich verbringe die Tage deswegen meist unruhig, suchend, besuche hilflos einen Gottesdienst, was sich jedesmal als unbefriedigend erweist. Wenn ich die freien Ostertage hingegen einfach für einen Kurzurlaub brauche, fehlt mir etwas.

Mein Dilemma: Ich weiss weder, wessen ich genau gedenken soll, noch, wie.

Die Wendung „Jesus ist am Kreuz für meine Sünden gestorben“ sagt mir nichts. Ich bringe mein Gottes- und Menschenbild nicht mit einer Vorstellung zusammen, die besagt, dass jeder einzelne Mensch nur schon durch seine Existenz die Todesstrafe verdient hätte, bis hin zum Neugeborenen.

Ich kann das nicht denken!

Dazu kommt das bekannte Problem, dass Gott jemandem etwas „bezahlen“ musste, um es seinen geliebten Menschen zu ermöglichen, in Beziehung mit ihm zu leben. Das wiederum würde heissen, dass Gott sich an Spielregeln halten müsste, die sogar höher sind als er selbst. Das kann es also auch nicht sein.

Auch in der Verkündigung von Jesus von Nazareth in den synoptischen Evangelien finde ich die Sünde/Vergebung-Thematik nicht zentral. Jesus vergibt zwar den Menschen, die er körperlich gesund macht, auch ihre Sünden. Dies verstehe ich aber vor allem als Zuspruch, dass sie nicht die Vermittlung eines Priesters brauchen, sondern dass Gott sich ihnen direkt zuwendet. Als menschgewordener Gott war die Botschaft dieses Jesus, dass Gottes Reich, Gottes Werte in der Welt realisiert werden sollen.

Wie? – „Liebe Gott, und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

War das Kreuz die Konsequenz der Predigt von Jesus, indem er für seine Nächstenliebe sogar Verurteilung und unrechtmässige Todesstrafe auf sich nahm? Und die Auferstehung. In welcher Form und mit welchem Begriff auch immer, jedenfalls war das Grab mit hoher Wahrscheinlichkeit leer und seine engsten Freunde begegneten ihm später auf irgendeine Weise wieder. War dieses übernatürliche Ereignis einfach die Bestätigung seiner Göttlichkeit, mit der seiner Botschaft noch einmal massiv Nachdruck und Autorität verliehen werden sollte?

Ich verstehe es nicht.

Und so suche ich Jahr für Jahr (und mittlerweile auch im Woche für Woche im Theologiestudium) die Bedeutung dessen, was rund um das Peschach-Fest etwa im Jahr 30 unserer Zeitrechnung geschehen ist. Bisher hat mich kein theologischer Ansatz dazu tief überzeugt. Und dass darüber seit 2000 Jahren diskutiert und gerätselt wird, zeigt mir, dass es wohl auch keine Erklärung gibt.

Dieses Nicht-verstehen erzeugt bei mir das Gefühl, dass sich damals, bei Tod und Auferstehung von Jesus Christus, etwas Kosmisches ereignet hat. Etwas Geheimnisvolles, das die Ordnung und den Gang der Welt grundlegend verrückt hat, und deshalb weit über meinem Begreifen liegt. Ich fühle mich diesem Mysterium gegenüber so klein und unbedeutend, dass ich es schwierig finde, das Ganze irgendwie auf mein Leben zu beziehen, geschweige denn, an einem Wochenende im Jahr dessen zu gedenken.

Vielleicht fühle ich mich deswegen in diesen Tagen jeweils am wohlsten in Riten, die ohne viele Worte auskommen. Und wenn, dann in Form von Poesie. Musik, ein Sonnenaufgang, Bilder, Rituale.

Wie könnte man einem Geheimnis auch näher kommen als damit?

Ein Kommentar zu „Kann mir bitte mal jemand Ostern erklären?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s