Open the Door…

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Kürzlich war ich in der Theologischen Bibliothek, und habe mit dem Hebräischbuch so vor mich hingelernt. Als Student sollte man das ab und zu tun. Ausser dem leisen klappern von Laptoptastaturen, dem gelegentlichen Rascheln von Papier oder einem Husten ist es still.

Ich sitze an einem der Arbeitsplätze und starre gelegentlich auf das Holzbrett, welches sich 50 cm vor meinem Gesicht befindet.
Unsere Schreibtische haben nämlich zwei gegenüberliegende Arbeitsplätze wo aber in der Mitte genau diese Wand ist, damit man nicht abgelenkt wird.

Plötzlich erhebt sich die Frau mir gegenüber und fragt mich im ultraleisen-Bibliotheksflüster ob sie sich einen Bleistift ausleihen dürfe. Natürlich durfte sie das, Nächstenliebe und so…
Als sie wieder auf der anderen Seite der Trennwand abgetaucht war, fingen in meinem Kopf die Zahnräder an zu rattern. ( ganz leise natürlich 😊)

„Von irgendwo her kenne ich sie, aber von wo??? An der Uni habe ich sie noch nie gesehen, aber wieso ist sie in der Theologischen Bibliothek? “ Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen;

Das ist ja eine von der Pfarrerinnen von meiner reformierten Kirchgemeinde!! Das hatte ich nun nicht erwartet!

Kurz darauf musste ich aufbrechen, da ich mit einer Freundin zum Mittagessen verabredet war, und als ich all mein Zeugs wieder in meinen Rucksack zu stopfen begann, hat die nun nicht mehr Unbekannte sich erhoben um mir den Stift zurückzugeben, da habe ich sie angesprochen und ihr auch erzählt, dass ich in ihrer Kirchgemeinde bin. (natürlich wieder in leisen Geflüster, wir waren ja immer noch in der Bibliothek) Ich bin noch nicht so lange in dieser Kirche, also wusste sie nicht wer ich bin.

Ihre erste Reaktion war dann, dass sie mich noch am gleichen Tag zu einem Kaffee eingeladen hat, weil sie mich kennenlernen wollte.

Ihre erste Reaktion war es, die Türe weit aufzumachen!
Und darüber habe ich mich wirklich extrem gefreut, denn es gab ja einen Grund weshalb ich in die Kirche eingetreten bin, was könnte das nur für einen Grund haben, fragt ihr euch vielleicht. Ich bin ja ziemlich zufrieden in einer Freikirche und dort auch immer noch sehr aktiv; wieso also die Reformierte Kirche?

An der Kirchentür muss man seinen Mitgliederausweis nicht vorzeigen um hineingehen zu können, Kirchensteuern sind sicher auch nicht der Grund, und um für meine Beerdigung vorzusorgen bin ich wohl noch zu jung…
Ich bin eingetreten weil ich mich mit der reformierten Kirche auseinandersetzten wollte, sie kennenlernen wollte, und schlussendlich ist Kirche für mich eben nicht ein Gebäude, sondern die „Gemeinschaft der Christen“. Und obwohl die Kirchentüren für alle offen sind, ist es doch nicht ganz einfach die Türen zur Gemeinschaft zu finden.

Ich weiss nicht, ob du das Gefühl kennst vor einer Tür zu stehen, z. B. vor einem Termin und obwohl du genau weisst, dass dein Zögern lächerlich ist, braucht es eine grosse Portion Überwindung deine Hand zur Faust zu ballen  an die Tür zu klopfen….

Jedes Gebäude, jede Gruppe und jede Gemeinschaft ist irgendwie abgeschlossen und braucht echte oder metaphorische Türen damit man hineingehen kann. Bei metaphorischen Türen ist es für mich manchmal genauso so schwierig anzuklopfen! Jemanden anzusprechen, Kontakte zu knüpfen braucht Überwindung und Energie! Ein weiteres Problem ist, dass es hier in der Schweiz recht schnell unhöflich ist, sich selber irgendwo einzuladen, man muss von jemandem eingeladen werden!
Obwohl ich die Pfarrerin auch gerne kennengelernt hätte, wäre es mir doch nie im Leben in den Sinn gekommen sie zu einem Kaffee einzuladen.

Wir hatten dann ein sehr gutes Gespräch mit Tee und bei strahlendem Herbstsonnenschein draussen vor der Mensa der UniTobler, eine schöne Überraschung an einem normalen Donnerstagnachmittag.

Was ich aus dieser Begegnung gelernt habe:

Diese Pfarrerin ist mit dem besten Beispiel vorangegangen: sie hat die Tür weit geöffnet und die Einladung ausgesprochen!

Meine Herausforderung an euch: Macht die Türen weit auf, nicht nur einen Spaltbreit, sondern mit Herzlichkeit und ernstgemeinte Einladungen zum Kaffee trinken, Joggen gehen, zu Mittag essen, den Kindern gemeinsam beim toben auf dem Spielplatz zusehen usw. was immer gerade für euch passt!

Es lohnt sich!

Was passieren kann, wenn man die Tür öffnet und die Einladung ausspricht, welche wertvollen Begegnungen und Freundschaften entstehen können,  erzähle ich euch dann sehr gerne in einem weiteren Blogpost!!

 

Ps.  Man kann meinen Blog auch per Mail abonnieren, dann verpasst du in Zukunft keinen meiner absolut brillianten und lebensveränderenden Gedankenergüsse 😉

 

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