Wieso studiere ich Theologie?

Wenn man studiert, wird man sehr oft danach gefragt wieso man gerade dieses oder jenes Fach studiert; natürlich verstehe ich, dass man bei einem Kochlehrling oder Medizinstudenten den Nutzen für die Gesellschaft einfacher erkennt als bei einem Astrophysiker, einer Linguistin oder einer Theologiestudentin.

Ich muss also, selbst wenn ich meine Gründe für diese Studium nicht immer ganz verstehe, trotzdem einem Menschen den ich gerade zufällig  im Bus getroffen habe, erklären wieso ich gerade Theologie studiere. ( ist mir letzte Woche  gerade wieder mal passiert…)

Hier also der Versuch:

1)  Ich liebe Schule!!!

Hahah, das ist kein Witz, ich habe effektiv den grössten Teil meiner Schul- und Gymerkarriere sehr genossen und ich fand es schon immer faszinierend neues zu lernen und Zusammenhänge oder Fakten entdecken die mir mehr über die Welt, die Menschen oder mich selbst sagen!

Auch jetzt ist es total spannend ein paar hundert Seiten pro Woche zu lesen, Alt-Hebräisch und Alt-Griechischwörter zu büffeln, Arbeiten zu schreiben und Vorträge zu halten, also na ja, meistens….. 😉

2) Meine Biographie

Jaaaa, ich weiss, mit 21 Jahren hat man noch nicht wirklich eine Biographie, aber trotzdem habe ich eine Vergangenheit! Ich bin in einer sehr gläubigen Familie aufgewachsen, seit ich denken kann, bin ich in einer evangelischen Freikirche ( BewegungPlus). Und seit ich denken kann war Gott für mich wichtig.

Ich habe mich also mein ganzes Leben mit den Fragen auseinandergesetzte: Gibt es Gott denn wirklich? Falls ja, was bedeutet das für mich und mein Leben ganz konkret? Was kann ich über Gott wissen? Wie verstehe ich die Bibel? Und so weiter!

Gepaart mit meinem Wissenshunger und meiner Neugierde habe ich mich also in meinen Teenagerjahren sehr gern mit theologischen Fragen auseinandergesetzt, ich wusste einfach noch nicht, dass man das Theologie nennt :).

Auch Geschichte fand ich schon immer cool, leider gab es in meinem Gymnasium kein Schwerpunktfach Geschichte, aber dank einem sehr engagierten, begabten und erfahrenen Lehrer habe ich dann Latein als Schwerpunktfach gewählt, und diese Schulstunden haben mir unzählige Grundlagen, Fähigkeiten und z.T auch schon Detailwissen auf den Weg ins Theologiestudium mitgegeben. Mein Lateinlehrer ist gleichzeitig auch Alt-Griechischlehrer für die Theologen an der Uni. (Ja, ich hatte dann tatsächlich Griechisch mit ihm an der Uni 🙂 )

So hat er mit uns im Unterricht schon sehr viel zu theologischen und geschichtlichen Themen gemacht. (Randbemerkung, wenn man abendländische (westliche) Antike und Mittelalter durchnimmt, kommt man einfach nicht darum herum sich mit dem Christentum auseinander zu setzen, es hat unglaublich viel dazu beigetragen,dass unsere Gesellschaft so ist, sie sie jetzt ist!)

Kurz gesagt, durch meine Biographie, mein Interesse und meine Leidenschaft schien es mir der einzig logische Schritt Theologie zu studieren.

3) Mein Glaube

Wie ich schon angeschnitten habe, ist mein Glaube ein extrem wichtiger Teil von mir und meiner Geschichte. Das führt manchmal  dazu, dass ich Leute denen Gott, Glaube, Religion überhaupt nichts sagt, nicht immer ganz verstehen kann.

Denn ich glaube, dass es einen Gott gibt, der sich für jeden Menschen auf dieser Welt interessiert und ihn unglaublich liebt, ich wüsste nicht wie ich mein Leben ohne diese Liebe, Fürsorge und Kraft die ich immer wieder erfahre, leben könnte.

Ich habe also vom Studium auch erwartet, dass es mich herausfordert und meinem Glauben ein neues, gutes Fundament gibt.

Aber schon nach dem ersten Jahr Studium, WOW, ich hätte doch nicht gedacht wie viel das Studium mit mir macht!!

Auf der einen Seite greifen die Argumente, Meinungen und Fragen von Professoren, Mitstudenten und Büchern fast alles an und hinterfragen meine Existenzgrundlagen und meine Glaubensgrundsätze und öffen damit einen gähnend dunklen Abgrund von Zweifel und Ungewissheit vor mir. Aber gleichzeitig tut sich der Himmel auf über mir, mit neuen Perspektiven und Einsichten von denen ich nicht einmal zu träumen gewagt hätte!! Das ist unglaublich spannend!

Und genau deshalb studiere ich weiter, ich möchte mehr von diesen Momenten die mir den Himmel öffnen, und wenn dafür halt mal eine Sicherheit oder Meinung zerstört wird, sei es so!
Falls du auch (Theologie) studierst würde es mich sehr interessieren wieso du genau das tust!! Lass mir doch einen Kommentar da, das würde mich sehr freuen!!

2 Kommentare zu „Wieso studiere ich Theologie?

  1. Liebe Lea

    Das ist ein toller, ehrlicher Beitrag! Weiter so.

    Ich studiere Theologie, weil ich nach innen und nach aussen nur einen Glauben vertreten kann, der Argumenten und Fusstritten standhalten kann und raue Winter übersteht. Da erlebe ich sehr viel Training und merke, dass die ganze Theologie nicjt einfach ein Feel-Good-Luftschloss ist, in das man sich als Christ bei Bedarf zurückziehen kann.

    Gefällt 1 Person

  2. Hey Lea, toller Text und sehr gut geschrieben!
    Ich studiere Medizin, weil ich gern wissen wollte und will, wie der Mensch funktioniert, wie Krankheiten entstehen und v.a. wie man sie heilen oder Symptome lindern kann. Dieses Interesse entwickelte sich ab ca. der 9. Klasse und seit ich die Serie ‚Dr. House‘ geschaut habe und die Begriffe dann immer im Medizinischen Wörterbuch meines Vaters (Nichtmediziner!!) nachgeschaut habe 😉
    Ich hab das Studium nie bereut (nur den Aufbau…) und würde es auch noch einmal studieren, wenn ich die Wahl hätte.

    Ich bin schon gespannt auf deine weiteren Texte 🙂

    Gefällt mir

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